Boxenluder

Schöne, neue Wörter! Im Gegensatz zu stockkonservativen Sprachpolizisten beobachte ich die in den Medien neu auftauchenden Wörter mit wohligem Wohlwollen: Wurfbox zum Beispiel ist ein knackfrischer Begriff, den wir den Schönbrunner Pandapflegern zu verdanken haben und der sich blitzschnell in der Alltagssprache eingenistet hat.


PETER IWANIEWICZ

FALTERS ZOO, FALTER 07/08 vom 13.02.2008

So konnte ich ein Gespräch unter Jungmännern mithören, die ihren Kumpel zu einer Beiseltour überreden wollten. Doch dieser antwortete artig: „Ich muss für eine Prüfung lernen und bleibe diese Woche besser in meiner Wurfbox.“
Sehr schön klingt auch das Wort Holzhunger. Dieser sei nämlich jetzt nach den Sturmschäden besonders klein, sprach ein interviewter Forstwirt, meinte damit aber nicht ein vegetarisches Äquivalent zum Bärenhunger oder die Befindlichkeit von Borkenkäfern, sondern beklagte den darbenden Markt für Baumstämme.
Wer richtigen Hunger hat, dem wurde dieser durch zwei Pressemeldungen erst recht verdorben. Zuerst wies die Umweltorganisation Greenpeace darauf hin, dass der Konsum von Meeresfischen und Krustentieren aus Fischfarmen keine Verbesserung des ökologischen Karmas bringt, sondern die Zerstörung von Küstenökosystemen und Menschenrechtsverletzungen zur Folge hat. Laut Welternährungsorganisation FAO sind bereits jetzt 43 Prozent aller gehandelten Fische und Meeresprodukte aus Zucht oder Mast. In diesen Aquakulturen werden dann jene „minderwertigen“ Fischarten als Futter für Thunfisch, Garnele und Lachs verwendet, an denen bislang die großen Fischereiflotten kein Interesse hatten. Ozeane können also zweimal leergefischt werden.
Die andere appetithemmende Meldung kam vom deutschen Verbraucherministerium, das jetzt seinen Jahresbericht veröffentlichte. Bei 57 Prozent der untersuchten Lebensmittel aus konventioneller Landwirtschaft fanden die Prüfer Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Besonders stark belastet waren Rucola, frische Kräuter, Vogerlsalat, Hülsenbohnen, Zucchini, Melanzani, Ribisl und Paprika. Empfehlenswert, weil siebzig Prozent der getesteten Proben rückstandsfrei waren, sind Rhabarber, Zwiebeln, Spargel, Orangensaft und Reis. Ich bitte die p.t. Leserschaft um Einsendung eines Rezepts für eine Speise, die sich aus diesen Zutaten zumutbar zubereiten lässt und die auch Menschen ohne Holzhunger schmeckt.

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