Gedächtnis aus Papier

Christopher Wurmdobler
Stadtleben, FALTER 08/08 vom 20.02.2008

ALLTAGSKULTUR Im Rathaus sammelt man seit fast hundert Jahren Plakate. Ein Buch und eine Ausstellung zeigen uns jetzt die schrillen Siebzigerjahre.

Hinter einer stählernen Tür verbergen sich Regale, darin liegt, nummeriert und übereinandergestapelt, alles, was in den letzten hundert Jahren an Wiens Wänden, Bauzäunen und Litfaßsäulen klebte, Kaffeehauswände zierte oder sich hinter Glas drehte. Riesige Reklamebilder für Kleinwagen, Knäckebrot oder den Sozialismus, sachliche Ankündigungen für große Wettkämpfe oder kleinformatige Straßenbahnposter für Hygiene und gegen Mundgeruch: "Murus sind unter uns." Die Plakatsammlung der Wienbibliothek bringt in ihrem Tiefspeicher im Rathaus die bunte Welt der Außenwerbung zusammen. In den Büroräumen ein Stockwerk darüber geht's weiter: Hierher hat das Plakatierunternehmen Gewista von jedem Sujet, das es im letzten halben Jahr in Wien plakatiert hat, ein Exemplar gebracht. Und von all den Jahren davor. Es riecht nach Papier. Wahrscheinlich

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