Eine Leinwand namens Faymann

Wie ein SPÖ-Chef zum Markenprodukt wird: Der Wahlkampf Werner Faymanns zeigt die erstaunliche Nähe von Werbung und Politik.

Barbara Tóth
POLITIK, FALTER 36/08 vom 02.09.2008

Werner Faymann erklimmt das Rednerpult. Er wirkt schlanker als zuletzt. Das Haar ist zu einem ordentlichen Kanzlerkurzhaarschnitt gebändigt, das Gesicht ebenmäßig gebräunt. Der Anzug sitzt kantig, nicht leger wie früher. Ganz so, wie auf den Plakaten. Nur die Krawatte ist eine andere. All das ist wichtig. Die 3000 Funktionäre, die an diesem Freitag zum sozialdemokratischen Wahlkampfauftakt in die Stadthalle gekommen sind, wollen Faymann so wahrnehmen, wir er seit gut einem Monat in markantem Schwarz-Weiß Kontrast vor knallrotem Hintergrun im ganzen Land angepriesen wird. Als „sozialen, entschlossenen und zuversichtlichen“ Parteiführer. Als „neue Wahl“. Faymann bemüht sich, den neuen Faymann darzustellen. In den kurzen Pausen seiner Rede, wenn der Saal wie auf Kommando applaudiert, lächelt der Kandidat verschmitzt ins Publikum. Eine Kamera projiziert sein Gesicht auf den großen Saalbildschirm. Es ist das gleiche Grinsen wie auf den Plakaten, auch der Ausschnitt ist ähnlich. Für einen Augenblick wird der Bühnen-Faymann zum Plakat- Faymann. Werbung und Realität verschmelzen.

Es sind Momente wie diese, die seinen Beraterstab glücklich machen. Momente, in denen durch die Werbung geweckte Erwartungen erfüllt werden und Emotionen fließen. In denen das Publikum ihm plötzlich glaubt, was er sagt. Ihm vertraut. Momente, in denen die Marke Faymann zu funktionieren beginnt.

Dass Spitzenpolitiker zu Produkten werden, die beworben und verkauft werden, als wären sie ein neues Mercedes-Coupé, ist nichts Ungewöhnliches. In Zeiten, in denen Menschen Politik nicht mehr direkt im Kontakt mit ihrem Bezirkskassier

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