Er malt uns eine bessere Welt

Was moderne Politiker vom nächsten US-Präsidenten lernen können

Robert Misik
POLITIK, FALTER 46/08 vom 11.11.2008

Es war ein paar Tage vor der historischen US-Wahl, da klingelte Don Rose an der Tür eines Vorstadthauses. Eine ältere weiße Frau öffnete dem 78-jährigen Obama-Wahlhelfer. Der hält ihr Informationsmaterial unter die Nase. Die Frau dreht ihren Kopf und ruft ins Haus zurück: „Joe, für wen stimmen wir doch gleich?“ – „We are voting for the nigger“, bellt ein tiefe Stimme zurück. „Wir wählen den Nigger.“

Eine kleine Geschichte einer Wahl, die Geschichte schrieb. Die Wahlbeteiligung erreichte den höchsten Stand seit 1908. Erstmals seit 44 Jahren gewann ein demokratischer Kandidat mehr als 51 Prozent der Stimmen. 65 Millionen Amerikaner – darunter 68 Prozent der Jungwähler – votierten für ihn. Noch nie hat ein US-Präsidentschaftskandidat mehr Stimmen erhalten als Barack Obama. Allein am Tag vor der Wahl klopften seine freiwilligen Helfer an eine Million (!) Türen in Ohio. Und: Erstmals seit einem Vierteljahrhundert stand weder der Name Bush noch der Name Clinton am Stimmzettel.

Europäische Retrolinke glauben ja, dass die USA eine sehr ausgedünnte demokratische Kultur hätten, mit chronisch niedriger Wahlbeteiligung, einem System der Wählerregistrierung, das vor allem Schwarze und Arme notorisch ausschließt, und mit Regierungen, die sich an das Big Business verkaufen. Diese Wahl und die Nacht von Chicago belehrten sie eines Besseren. „Diese Wahl in einer der ältesten Demokratien der Welt sah aus wie eine in einer brandneuen Demokratie, mit Bürgern, die aus ihren Häusern strömen und auf den Straßen tanzen, eine Velvet Revolution – eine sanfte Revolution“, schrieb das Magazin Time.

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