Kritiken

Neues im Kasino (1): Szenen einer Ehe

Sebastian Fasthuber
Lexikon, FALTER 17/09 vom 22.04.2009

Grundthema des ungarischen Autors Sándor Márai (1900-1989) war der Zerfall der bürgerlichen Gesellschaft. In dem Roman "Wandlungen einer Ehe" spielte er es anhand einer Dreieckskonstellation durch: Ehefrau liebt Ehemann, der liebt eine andere. Die Bühnenfassung der in der Zwischenkriegszeit angesiedelten Geschichte von Sylvia Haider im Burgtheater-Kasino (Regie: Rudolf Frey) lässt den Figuren viel Zeit, um ihre Liebes- und Lebensprobleme darzulegen. Die Tragik des Fabrikantensohns Peter (Christian Nickel) und seine Frau Ilonka (Adina Vetter) liegt darin, dass sie meinen, das Glück für sich gepachtet zu haben. Tatsächlich erdrückt sie ihn mit Liebe, während er sich nach der Unkompliziertheit des Dienstmädchens Judit (Stefanie Dvorak) verzehrt. Als das kleine Kind des Ehepaars stirbt, was zur Trennung führen wird, mahnt der Pfarrer: "Mit welchem Recht wollen sie glücklich sein?" Schöne Menschen sprechen auf einer schönen Bühne (Vincent Mesnaritsch) große Worte: Vielleicht wurde deshalb viel gegähnt.

Burgtheater-Kasino, Mo 20.00

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