Kauf das!

Der umworbene Tschusch: Ausländerfeindlichkeit prägt Alltag und Wahlkämpfe in Österreich. Hinter den Kulissen werben Politik und Wirtschaft längst um die Zuwanderer

Matthias G. Bernold, Stefan Apfl
POLITIK, FALTER 43/09 vom 20.10.2009

Vor zwei Wochen trafen Orient und Okzident im gleichnamigen Lokal am Wiener Naschmarkt aufeinander. Drei türkischsprachige Fernsehteams justierten ihre Kameras, ein Dutzend türkischer Journalisten zückte die Schreibblöcke. Sie sollten über eine Novität berichten: Der Mobilfunkanbieter Drei bringt in diesem Herbst sein erstes, eigens für eine ethnische Community geschnürtes Tarifpaket auf den österreichischen Markt. Fünf Cent für Ferngespräche nach Ankara und Istanbul, dazu türkische TV- und Radiosender via UMTS-Streaming. „3 bringt die Heimat aufs Handy“, lautete der Slogan, der am nächsten Tag quer durch die türkische Medienlandschaft zitiert wurde.

Der Medienrummel im Multikultichic ist Ausdruck eines Phänomens, das die österreichische Gesellschaft grundlegend verändert: Zuwanderer werden als Kunden und Wähler wahrgenommen.

Während Kulturrabauken wie FPÖ-Chef H.C. Strache Muslimen zivilisatorische Unreife nachweisen wollen; Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) Reden hält, ohne das Thema Immigration auch nur zu erwähnen; Josef Cap (SPÖ) Wahlniederlagen mit dem Satz kommentiert: „Es ist Zeit, wieder mehr auf die Österreicher zu schauen“; und Journalisten wie Presse-Chefredakteur Fleischhacker politisch Korrekte als „verrückt“ bezeichnen – und die Krone mit „Große Mehrheit für strengere Ausländer-Politik. An der Ostgrenze regiert die Angst“ titelt. Während Medien und Politik wie gehabt die Ausländerfrage beantworten, werben – zaghaft noch und weitgehend unbemerkt – immer mehr Unternehmen und Politiker um den Ausländer und seinen Spross.

ANZEIGE
  1908 Wörter       10 Minuten

Sie haben bereits ein FALTER-Abo?


Sie nutzen bereits unsere FALTER-App?
Klicken Sie hier, um diesen Artikel in der App zu öffnen.

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Print + Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • Wöchentliche Print-Ausgabe im Postfach
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren

1 Monat Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
Jetzt abonnieren

Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Politik-Artikel finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!