Kling Glöckchen, klingelingeling!

Trampelpfade, Selbstvorführungsbühnen, postmoderne Sehnsüchte: Der Belag der Kärntner Straße erzählt von vielen Zeitaltern

Jan Tabor
STADTLEBEN, FALTER 46/09 vom 10.11.2009

Kärntner Straße/Stock-im-Eisen-Platz/Graben. Eine Fußgängerzone, atmosphärisch drei verschiedene Orte im Stadtzentrum: Der Graben ist, frei nach Thomas Bernhard, die Selbstvorführungsbühne des Wiener Bürgertums. Die Kärntner Straße, der Trampelpfad des Massentourismus. Der Stock-im-Eisen-Platz, der Ort des Dazwischens, der Ort der Vermischungen und einer verlorenen Hoffnung: Hans Holleins Haashaus als Beginn und Treffpunkt des neuen Wiener Glamours. Als eines der Stadtplanungsziele des Bürgermeisters Helmut Zilk. Daraus wurde nichts.

Kleine bodenständige Ruinen der postmodernen Sehnsucht sind daraus geworden. Fast schon Stadtantiquität. Jene bald nach Fertigstellung nicht funktionierenden Bodenbeleuchtungen, die zubetoniert werden mussten, weil sie nicht wartungsfähig entworfen worden waren, sind bis auf einen Streifen weg. Auch die „beinbrecherisch“ überraschend aufsteigenden Kleinstufen, die sicherheitshalber alsbald zuasphaltiert werden mussten, sind dahin. Nur wenige Überbleibsel der einst üppigen Hollein’schen Platzgestaltung sind noch vorhanden. Die Edelgranitpodeste für Kugelleuchten aus Milchglas sind sämtlich noch da, aber ohne Lichtkugeln. Jetzt sehen sie aus wie schicke Grabmäler. Die Fassungen dienen als Aschenbecher. Vielleicht denkt man an ihre Reparatur. Das Hollein-Zilk’sche Restensemble wirkt berührend. Man sollte es pfleglich behandeln und unter Denkmalschutz stellen. So wie man auch ein anschauliches Stück der Urfußgängerzone von Wilhelm Holzbauer erhalten hätte sollen.

Hans Hollein ist in Wien noch immer ein einflussreicher Mann. Sein hübsches Fußgängerzönchen vorm Haashaus gänzlich zu beseitigen, hat man sich doch nicht getraut. Wäre auch nicht notwendig.

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  1461 Wörter       7 Minuten

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