Kritiken

Neues vom Mozartjahr: Chirurgen ohne Skalpell


Wolfgang Kralicek

Lexikon, FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Als Vivisekteur zwischenmenschlicher Beziehungen greift der Dramatiker Gustav Ernst lieber zur Axt als zum Skalpell. Feine Zwischentöne sind nicht sein Metier, er hat’s lieber deftig. Auch die Komödie „Allegretto“ mündet in ein Blutbad: Am Ende schlagen die Protagonisten einander die Schädel ein. Tatwaffe ist nicht zufällig eine Mozartbüste: Das Stück, in dem fünf Opernfans vor einem Premierenbesuch („Così fan tutte“!) über Mozart und die Liebe streiten, wurde eigentlich für das Mozartjahr 2006 geschrieben, dann aber anscheinend nicht abgeholt. Für die verspätete Uraufführung in der Drachengasse wurden mit Johanna Tomek (Regie) und Werner Schönolt (Ausstattung) die früheren Leiter des Theaters m.b.H. engagiert. Der Old-School-Realismus, mit dem die beiden ans Werk gehen, erweist sich jedoch als untaugliches Mittel. Die Witze zünden selten, die Darsteller wirken großteils hölzern. Von Simon Hatzl, der einen Chirurgen spielt, möchte man sich jedenfalls ebenso ungern operieren lassen wie von Gustav Ernst.

Theater Drachengasse, täglich außer So/Mo 20.00 (bis 22.12.)

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