Der Bürohengst

Extra, FALTER 42/10 vom 20.10.2010

Warum fasziniert uns emanzipierte Frauen dieses Arschloch aus der Kultserie "Mad Men"?

Ich kenne einen Typen, der ist echt erfolgreich. Und ich frage mich, warum: Er brüllt seine Angestellten an, kommt besoffen ins Büro, deklariert Teamarbeit als sein eigenes Werk, verarscht seine Freunde und Kollegen, lügt, dass sich die Balken biegen - und behandelt Frauen wie Dreck. Den Ellbogentyp im Maßanzug kennt jeder, der die US-Serie "Mad Men" guckt. Werbetexter Don Draper verkörpert den Mann der 1960er: maskulin, seinen Werten und vor allem sich selbst treu bleibend, skrupellos, konservativ, karrieregeil. In seine Werbewelt wurde das geschaffen, was wir heute kennen - und sie sieht auch so aus: oberflächlich, versext, konsumgeil, emotionslos. 2009 wurde Draper von einem US-Onlinemagazin zum "einflussreichsten Mann" gewählt. Überhaupt ist ein regelrechter Hype um die genial inszenierte Officeserie entstanden. Auch ich klebe regelmäßig vorm Bildschirm und frage mich, warum: Ist es Dons perfekt sitzender Anzug? Der 60er-Jahre-Flair? Oder doch der Büromief, der uns im 21. Jahrhundert Lebende freudig erschaudern lässt?

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