Meinesgleichen

Falter & Meinung, FALTER 50/10 vom 15.12.2010

Was ist los mit Fleischhacker? Schwächelt er?

Sonntag ist der Tag des Herrn, der Entspannung, der Milde und des Friedens. Am Sonntag ruht die Arbeit, außer in den Kirchen, Intensivstationen und manchen Zeitungsredaktionen. Am Sonntag sieht die Welt ein bisschen anders aus. Selbst in der Intensivstation geht es besinnlicher zu, von der Zeitung gar nicht zu reden.

Vergangenen Sonntag las man in der Presse einen Kommentar von Michael Fleischhacker, bei dessen Lektüre man sich ernsthaft Sorgen um den Zustand des letzten jungen Wilden unserer Publizistik machen musste. Fleischhacker schrieb: "Haben wir es bei den Menschen, die unsere Gesetze beschließen und uns als Exekutive, regieren', tatsächlich nur noch mit Minderbegabten zu tun, die im wirklichen Leben so wenig verdienen könnten, dass sie bereit sind, wegen läppischer 16.000 Euro Monatsgage als Minister für irgendwas die Verachtung der Massen zu ertragen?"

Gewiss, hier schwingt Hohn mit, jedoch auch ein Verständnis für Politiker, das uns an dieser Stelle neu vorkommt. Ist das noch der Autor der "Politikerbeschimpfung", die mit einer Mülltonne vor dem Parlament posierte, bereit, jeden hineinzustopfen, der herauskäme? Wird Fleischhacker altersmild? Schwächelt das Zornbinkerl des Jungkonservativismus, beginnt er, sich in seinen natürlichen Feind einzufühlen? Ich denke, nein. Es ist nur der Sonntag, der sein sentimentales Netz manchmal über die Stärksten unter den Unerbittlichen wirft. Dieser wird sich schon wieder freistrampeln.

Quelle:

Presse am Sonntag vom 12.12. 2010

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