Willst zu meinen Liedern deine Leier drehn

Feuilleton, FALTER 04/11 vom 26.01.2011

Der Drehleierspieler Matthias Loibner lässt Schuberts "Winterreise“ auf spezielle Weise authentisch klingen

Porträt: Carsten Fastner

Manche Ideen liegen so nahe, dass man sich, sind sie erst verwirklicht, nur wundern kann, warum zuvor niemand darauf gekommen ist. Matthias Loibner hatte so eine Idee. Aber er kann auch erklären, warum er der Erste damit war.

Es geht um Franz Schuberts "Winterreise“ (1827), jenen "Cyclus schauerlicher Lieder“, die in loser Szenenfolge vom Weltschmerz und der Weltabkehr eines liebenden, aber verschmähten jungen Mannes erzählen. Hin und her gerissen zwischen trotziger Euphorie, traurigen Erinnerungen und tiefer Depression, macht er sich auf eine winterliche Wanderschaft in die Einsamkeit und trifft am Ende auf einen wunderlichen Alten, der barfuß auf dem Eise seine Leier dreht: "Keiner mag ihn hören / keiner sieht ihn an / und die Hunde knurren / um den alten Mann“ - ein erschütterndes Symbol der Hoffnungslosigkeit, der Erstarrung, des Wahnsinns,

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  801 Wörter       4 Minuten

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