Der Maiaufmarsch

Robert Misik
Lexikon, FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Das Pathos des 1. Mai - ziemlich verweht. Trotzdem nicht ganz verflogen

Kampftag der Arbeiterklasse! So hat man früher den 1. Mai genannt. Aber das Proletariat ist heute auch nicht mehr das, was es einmal war, und Kampfpathos, also bitte, das ist auch reichlich angestaubt. Aber gerade deshalb ist der 1. Mai in Wien immer noch etwas Besonderes. Hier gibt es ihn immer noch: den großen Maiaufmarsch der Sozialdemokraten. Und immer noch kommen jedes Jahr ein paar Zehntausende zusammen. Und wenn die Sozis fertig sind, dann wackeln noch die Kommunisten, die Grünen, die unabhängigen Gewerkschafter und die türkischen Stalinfans hinterher. Wo gibt’s denn so was noch? Eben! Nirgendwo, nicht einmal in Moskau. Und so kommen neuerdings sogar Touristen extra in die Stadt, um sich das nicht entgehen zu lassen.

Vor 112 Jahren, 1889, fand die Maidemonstration erstmals statt. Der internationale Sozialistenkongress hatte kurz davor beschlossen, den Tag zum Kampftag zu machen, vor allem zur Durchsetzung

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