Der Moneymaker der Mächtigen

In jedem Skandal fällt sein Name. Wer ist Peter Hochegger, der Lobbyist, der Wolfgang Schüssel stürzte?


BARBARA TóTH

POLITIK, FALTER 36/11 vom 06.09.2011

Früher wäre ihm das nicht passiert. Peter Hochegger war der Mann, der wusste, wer anzurufen war, wenn in dieser Republik etwas bewegt werden sollte. Er nannte sich stolz einen „Kommunikationskybernetiker“. Kybernetik ist die Steuerung unterschiedlicher komplexer Regelkreise. Im Verständnis Hocheggers, des langjährigen Unternehmensberaters und Lobbyisten, ging es um das Zusammenbringen von Politik, Wirtschaft und Medien, um kleine und große Gefälligkeitsdienste unter den oberen Zehntausend. Damit war er groß geworden, damit hatte er sich einen Ruf gemacht. Und dann tappte der einst so erfahrene Lobbyist letzte Woche in eine Falle des simpelsten Regelkreises der Republik, des Boulevards.

Die Burgenländerin Dora Varro arbeitet für die deutsche Bild. Sie und Hochegger sind befreundet, also stimmte der Kommunikationsprofi, der für andere Medien derzeit nur ein „Kein Kommentar“ übrig hat, einem Tête-à-Tête im Sacher Eck auf der Kärntner Straße zu. Was Hochegger nicht wusste, war, dass ein Paparazzo des Boulevardblattes Österreich das Treffen heimlich knipste und damit die Bilder für die Schlagzeile am Mittwoch vergangener Woche lieferte: „Der Telekom-Lobbyist stellt sich“. Varro besprach sich mit Hochegger übrigens darüber, ob sie von Bild zu Österreich wechseln soll. Welchen Rat er ihr gab, ist nicht überliefert.

Hochegger – dieser Name fällt derzeit in Zusammenhang mit den größten Skandalen unter der Kanzlerschaft Wolfgang Schüssels. Lange konnte die ÖVP den Ruf ihrer Regierungszeit als „Reformära“ hochhalten. Die jüngsten Enthüllungen erzählen eine andere Geschichte. Eurofighter, Buwog-Privatisierung, Hypo-Alpe-Adria, Telekom – überall schnitten blau-schwarze Spitzenmanager und politische Günstlinge mit, in vielen Fällen dürften Parteikassen hintenrum gefüllt worden sein. Bundespräsident Heinz Fischer fordert nun „eine Politik und Wirtschaft mit sauberen Händen“, eine Anspielung auf den italienischen Begriff mani pulite. Unter diesem Schlagwort lief im Italien der 90er-Jahre die langwierige Aufarbeitung von Korruption, Amtsmissbrauch und illegaler Parteienfinanzierung. Selbst die ÖVP hat ihren Widerstand gegen einen Telekom-Untersuchungsausschuss aufgegeben, als erste Vorleistung kündigte Schüssel am Montag an, sein Mandat zurückzulegen.

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