Österreich liegt tief

Zur Lage der Nation. Noch ist Luft nach unten, aber nicht mehr viel

Armin Thurnher
POLITIK, FALTER 38/11 vom 20.09.2011

Schon stecken sie wieder die Nase zur Tür herein, die Kollegen der großen deutschen Medien, und fragen: Sagt mal, was ist denn da los bei euch in Österreich? Wie immer differieren Innensicht und Außensicht beträchtlich. Das interessante Skandalland Österreich ist jenes der Jack Unterwegers, der Bunker Wolfgang Priklopils und Josef Fritzls. Wie gut hätte der Inzestskandal in Braunau dazugepasst, wäre er denn wirklich einer gewesen. Man denke, in Führers Geburtsstadt Mädels vom Vater in blitzsauberer Villa jahrzehntelang missbraucht! Leider wurde nichts daraus, obwohl beinahe alle Medien sämtliche Unschuldsvermutungen hintanstellten.

Erst in zweiter Linie interessiert das Gruseln, das der unaufhaltsame Aufstieg von Mr. Rechtsaußen hervorruft, heiße er nun Jörg Haider oder Heinz-Christian Strache. Waren wir in Europa damit einst stilbildend, kümmert das inzwischen keinen mehr. In Dänemark werden die Rechten schon wieder abgewählt, in Finnland regieren sie mit, in den Niederlanden tolerieren sie die Regierung. Nur die Deutschen hegen doch den Verdacht, käme einer wie Strache oder Haider einmal bei ihnen auf, der demokratische Deckel würde richtig wegfliegen.

Im österreichischen Inneren stellen Kommentatoren seit einiger Zeit die Frage nach der Haltbarkeit des Systems. Es sei in Auflösung begriffen, schreiben sie. Es erodiere nicht nur, es implodiere. Das Wort Wutbürger mag man nicht mehr hören, aber immer öfter hört man von vernünftigen Menschen den Wunsch, etwas außerhalb vielleicht nicht dieses politischen Systems, aber doch dieser politischen Landschaft zu unternehmen. Man will dieses politische Österreich nicht mehr. Und nicht alle wählen den Trampelweg zu Strache.

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  1883 Wörter       9 Minuten

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