Alte Bekanntschaften

Neonazi Gottfried Küssel hat nicht nur Verbindungen in die rechtsextreme Szene in der BRD – sondern auch in die FPÖ

Nina Horaczek
POLITIK, FALTER 47/11 vom 22.11.2011

Manche Bekannte wird man schwer los. 1984 standen zwei junge Leute vor Gericht. Es war der erste große Neonaziprozess in der Zweiten Republik. Die beiden Burschen hatten rechte Prominenz neben sich auf der Anklagebank: ein deutscher Neonaziterrorist, der 1970 in Westberlin auf einen Sowjetsoldaten geschossen hatte und diesen schwer verletzte und der sich neben NS-Wiederbetätigung auch wegen Bombenanschlägen verantworten musste. Und einen österreichischen Wiederholungstäter, der laut Kurier einen Anschlag auf die US-Botschaft geplant hatte. Er soll auch mit der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ in Kontakt gestanden sein, die für das Attentat am Münchner Oktoberfest 1980 verantwortlich war.

Neben derartiger rechter Prominenz fielen die unscheinbaren jungen Männer Michael W. und Gottfried Küssel kaum auf. Gemeinsam waren sie in den 70er-Jahren zuerst in der später verbotenen Kameradschaft Babenberg und der Aktion Neue Rechte tätig. Gemeinsam mit sieben weiteren Angeklagten mussten sie sich wegen NS-Wiederbetätigung verantworten.

Während Küssel 20 Jahre später wieder wegen des Verdachts der nationalsozialistischen Wiederbetätigung einen Prozess erwartet – es gilt die Unschuldsvermutung –, vertritt Rechtsanwalt W. heute die FPÖ. „Ich habe keinen persönlichen oder beruflichen Kontakt zu Küssel“, sagt W. heute auf Anfrage des Falter, „ich war bei der Aktion Neue Rechte aktiv, lehne aber Küssels Geisteshaltung ab.“

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