Kolumne

Der Abzug aus Afghanistan als Eingeständnis der Niederlage

 Außenpolitik


Raimund Löw

Falter & Meinung, FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Der Rückzug ist das schwierigste militärische Manöver, wusste schon Carl von Clausewitz. Bis 2014 werden die westlichen Alliierten Afghanistan verlassen. Die Wahnsinnstat des 38-jährigen Staff-Sergeant Robert Bales, der bei Kandahar in Wohnhäuser einbrach und wahllos 16 Menschen erschoss, beschleunigt den Abzug und macht die Zukunft des Landes noch unkalkulierbarer.

Der Mehrfachmord an afghanischen Familien, Videos von auf Leichen urinierenden Soldaten und andere Übergriffe zeugen von der tiefen Demoralisierung unter den westlichen Soldaten. Wenige Wochen zuvor wurden zwei US-Ausbildner im Hochsicherheitstrakt des Innenministeriums in Kabul von einem afghanischen Kollegen erschossen. An einen Erfolg ihrer Mission glauben selbst die Verantwortlichen in Pentagon und Nato nicht mehr.

Der schwedische Außenminister Carl Bildt, der schärfste Analytiker unter Europas Außenministern, twittert von einem Lokalaugenschein am Hindukusch, die Lage sei weniger verzweifelt, als es die internationale

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