Kommentar

Der Kulturinfarkt kann auch die Folge eines Mangels sein

Kulturpolitik


Klaus Nüchtern

Falter & Meinung, FALTER 12/12 vom 21.03.2012

Während sich das deutsche Feuilleton über die soeben erschienene Streitschrift "Der Kulturinfarkt“, in der die Schließung der Hälfte aller deutschen Theater, Opern und Museen angeregt wird, weniger empört denn enerviert bis ermüdet zeigt, ereignen sich im Off dieser Debatte Kulturinfarkte ganz anderer Art.

Letzte Woche teilte der Kärntner Verleger Lojze Wieser mit, dass der Verlag nach 24 Jahren Insolvenz anmelden muss. Der ohnedies fragwürdige Befund, den die Herren Haselbach, Klein, Knüsel und Opitz in ihrer Polemik ausstellen, dass nämlich ein überschießendes Subventionswesen den Betrieb einer ganzen Flotte nachgerade manövrierunfähiger Hochkulturtanker garantiere, von dem vor allem deren Kapitäne profitierten, lässt sich auf den Wieser-Verlag ganz gewiss nicht anwenden. Globalisierungsverweigerung (noch so eine wackelige These der vier Kulturkardiologen) fand in der dezidiert antiprovinziellen und weltaufschließenden Ausrichtung des Verlags, die sich in der Herausgabe

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