"Ich habe noch nie etwas aus Rache getan"

Der Festwochen-Intendant Luc Bondy über seine Freundschaft zu Peter Handke und seine Inszenierung von dessen Stück "Die schönen Tage von Aranjuez"


WOLFGANG KRALICEK

FEUILLETON, FALTER 21/12 vom 22.05.2012

Eigentlich ist Luc Bondy nicht sonderlich gut gelaunt. Vor wenigen Tagen hatte im Akademietheater seine Inszenierung von Peter Handkes neuem Stück „Die schönen Tage von Aranjuez“ Premiere, und die Kritiken – unter anderem in der FAZ und in der Süddeutschen – waren gar nicht gut. Dem Falter-Kritiker hat’s gefallen – was dem Gesprächsklima sicher nicht geschadet hat. Das Interview fand in Bondys Wiener Wohnung statt.

Falter: In Peter Handkes neuem Stück sitzen ein Mann und eine Frau in einem Garten und reden. Man kann sich beim Lesen schwer vorstellen, wie das auf der Bühne funktionieren soll. In Ihrer Inszenierung spielt das Stück im Theater, der Mann und die Frau sind offenbar Schauspieler, die gerade eine Vorstellung gespielt haben. Wie sind Sie darauf gekommen?

Luc Bondy: An einen Garten habe ich nie gedacht. Ich finde, im Theater wirkt ein Garten immer schrecklich kunstgewerblich. Schon ein Baum ist sehr schwierig! Außerdem ist im Text so viel von Natur die Rede, dass ich da nicht noch Natur draufkleben wollte. Ich dachte: Man muss es an einem möglichst unbestimmten Ort spielen. Und der neutralste Ort ist der hinter der Bühne. Ich hoffte, dass sich der Garten dann sozusagen von selbst darstellen würde. Beim Inszenieren war das dann gar kein Problem mehr. Ich wollte zeigen, dass dieser Mann und diese Frau mehr eine mentale Welt darstellen als eine realistische.

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