Größenselbst und Größenklein im Wettbewerb

Andreas Kremla
Sachbuch, FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Psychologie: Narzissmus ist nicht nur das Leiden Einzelner, sondern eine Kraft, die unsere Welt zusammenhält

Narziss verliebte sich in sein Spiegelbild. Die von ihm verschmähte Nymphe Echo hatte ihn mithilfe der Rachegöttin Nemesis dazu verflucht. So weit sind sich die Mythen einig. Von da an gibt es zwei Möglichkeiten: Variante eins: Narziss geht, wie es Ovid beschreibt, an der Verzweiflung zugrunde, da er sich nicht mit seinem Spiegelbild vereinen kann. Variante zwei: Er ertrinkt, als er eben dies versucht.

Ein Narzisst ist in der modernen Psychologie jemand, dem es wegen zu wenig oder zu wenig echter, selbstloser Zuwendung der Eltern nicht gelingt, eine gesunde Selbstliebe aufzubauen. Zur Kompensation dieses Mangels stehen zwei Wege offen.

Variante eins: Der Narzisst geht in die Selbstüberhöhung, bringt es zu sensationellen Erfolgen, spektakulären Schandtaten, Spitzengehältern und lautem Applaus - nur eben nie zur Liebe, die ihn satt machen würde. Variante zwei: Er geht in die

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  670 Wörter       3 Minuten

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