Die absolute Einsamkeit im Maschinenraum

Wie Computer und Spieltheorie unser Leben verformen. FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher im Gespräch


ARMIN THURNHER

MEDIEN, FALTER 15/13 vom 09.04.2013

Frank Schirrmachers neues Buch „Ego“ hat eine starke These: Nach dem Ende des Kalten Kriegs arbeitslos gewordene Physiker brachten ihre Spieltheorie an die Wall Street. Die menschliche Raubtieridentität wandert als Algorithmus, als mathematische Problemlösung in den Computer und formt so das Leben der Menschen, die nur noch digitales Spielmaterial darstellen. Das schafft nicht nur viel Geld für wenige, es bedroht unsere Autonomie und die Demokratie. Wir sprachen mit Schirrmacher in München über sein Buch.

Falter: Herr Schirrmacher, wie gehen Sie mit der Kritik an Ihrem Buch um? Gibt es welche, die Sie berechtigt finden?

Frank Schirrmacher: Als Herausgeber einer großen Zeitung muss ich automatisch mit Kritik rechnen, ja ich kann gar nichts anderes erwarten. Insofern war es für mich überraschend, dass die großen, seriösen Zeitungen das Buch so positiv besprochen haben. Ich freue mich über Kritik, mit der ich was anfangen kann. Ulrich Beck, der das Buch offenbar interessant fand, hat interessante Einwände gegen einen, wie er findet, zu großen Pessimismus formuliert. Wie immer gibt es natürlich auch Kritik ad personam. Wenn die allerdings nichts anderes aufzubieten hat als eine Wikipedia-Definition von Spieltheorie, bringt mir das nicht viel. Das Buch wurde ja schon vor Erscheinen mit diversen Abwehrzaubern belegt. Am schönsten war eine Agenturmeldung, wonach sich deutsche Intellektuelle gegen meine Thesen wenden, allerdings ohne hinzuzufügen, wie eben jene Intellektuelle mir später entgeistert schrieben, dass sie gar nicht wussten, dass es um das Buch geht, das sie noch gar nicht kennen konnten. Ich beschwere mich nicht. Aber ich fühle mich bestätigt, dass ich vom Neoliberalismus als einer manifesten Ideologie spreche, die längst alle Lebensbereiche erobert hat.

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