Café-Konditorei 2.0

Potyka: Eine alte Konditorei kann durchaus auch eine neue Konditorei werden

Florian Holzer
14.10.2013

Fragt man Anna Potyka, was sie den vorher gemacht habe, also bevor sie ihr neues Café gegenüber dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder aufgemacht hat, sagt
sie: „eigentlich alles“. Das ist wahrscheinlich ein wenig übertrieben, aber Technische Zeichnerin kam zumindest vor, Film kam vor, Weltreise kam vor.

Okay, und dann übernahm sie eine Konditorei in der Schmelzgasse, die vor langer Zeit einmal die Hauptbäckerei der Familie Querfeld (Café Landtmann, Mozart, Museum …) war und, nachdem deren Produktion in den 23. Bezirk übersiedelt war, eine dieser ganz normalen Konditoreien wurde, in die man eigentlich nie geht.


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Und man muss sagen: Wie eine dieser Konditoreien, in die man nie geht, schaut das Café Potyka jetzt also echt nicht aus. Wofür in erster Linie der Schweizer Innendesigner Robert Saladin verantwortlich ist, der da mit Braun-, Gelb-, Grau- und Beigetönen, mit Fliesen und vor allem mit einer Ladung fantastischer 1960er-Jahre-Sessel (vom Forum Stadtpark in Graz) eine wirklich fantastische Atmosphäre gebastelt hat. Die durchaus ein bisschen an die italienischen Espressos der 1950er und 1960er erinnert, so modern, so streng, so pur, aber eben auch eine Spur Wärme erkennen lässt. Wirklich gute Mischung.

Und in puncto Wärme gibt’s im kleinen Extrazimmer dann noch eine Draufgabe, dort wurden nämlich 1970er-Jahre-Fauteuils aus einer Hotellobby aufgestellt, mit olivgrünem Cordbezug. Wahnsinn! Und daneben Bücherregale, auf denen Kishon und andere leichte Literatur zur Entnahme warten, sehr kuschelig.

Wie so oft ist das kulinarische Programm leider nicht ganz so spektakulär ausgelegt wie die Innengestaltung. Okay, man nahm das Thema der ehemaligen Konditorei auf und stellt da ein paar meisterhaft geformte Designertorten in die Vitrine, die „Mozart“, „Sissi“ und „Sacher“ oder so ähnlich heißen. Weitaus interessanter schon der Umstand, dass Anna Potykas Mutter für Gugelhupf, Apfelstrudel und – trara! – Linzertorte sorgt. Linzertorte, die Königin des Brösels, ist ja nämlich ein weitaus besseres Kriterium für eine gute Konditorei als Sachertorte, finde ich.

Die Potyka-Linzertorte war jedenfalls gut, nicht so gut wie die meiner Mutter, aber das wäre auch viel verlangt. Erfreulich auch der Kaffee. Den ließ man sich von der Wiener Traditionsrösterei Naber erstens wirklich gut zusammenstellen, und zweitens holte man sich einen Star-Barista aus Zürich, der Espressomaschine und Mühle so einstellte, dass dieser Naber-Espresso besser schmeckt als alle anderen Naber-Espressi dieser Stadt. Tagesgerichte und vergleichsweise banale Toasts gibt’s auch, am Abend Burger, ein paar heurigenaffine „Schmankerln“ und sechs warme Kleingerichte, die appetitlich klingen und nur wenig Geld kosten (€ 3,30–3,90). Insgesamt jedenfalls Grund genug, um wieder einmal in die Konditorei zu gehen.

Resümee:

Das Beste im Potyka sind die Sessel; das zweitbeste der Kaffee. Und alles miteinander ist dann schon ganz gut.

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Café Potyka, 2., Schmelzg. 3, Tel. 01/212 01 50
Di–Fr 9–24, Sa 10–24, So 10–17 Uhr
cafepotyka.at

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