Warme Grüße

Eisbären müssen nie weinen“, sang die Schweizer New-Wave-Band Grauzone Anfang der 1980er-Jahre. Alles war damals so klar, am kalten Polar. Die UN-Klimakonferenz in Warschau hingegen war zum Weinen.

Peter Iwaniewicz
FALTERS ZOO, FALTER 48/13 vom 26.11.2013

Zeichnung: Bernd Püribauer

Eisbären müssen nie weinen“, sang die Schweizer New-Wave-Band Grauzone Anfang der 1980er-Jahre. Alles war damals so klar, am kalten Polar. Die UN-Klimakonferenz in Warschau hingegen war zum Weinen. Die Arktis hat sich inzwischen mess- und sogar sichtbar erwärmt und der eisige Lebensraum schmilzt den weißen Bären unter ihren Tatzen weg.

Die Lösungsvorschläge werden dabei immer absurder. Ein internationales Forscherteam der Universität Texas will dem klimabedingten Artensterben mit einer neuen Strategie begegnen: „Assistierte Migration“ nennt sich das Programm. Bedrohte Tierarten sollen aus ihren klimatisch veränderten Lebensräumen in passendere Biotope übersiedelt werden. Das klingt nach Riesenspaß! Gegenwärtig schätzt man die Eisbärenpopulation auf maximal 25.000 Individuen. Also hinein in eine Arche 2.0 und ab … wohin? Antarktis geht nicht, da würden sie die ebenfalls bedrohten Pinguine fressen.


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Das erinnert an die hilflosen Versuche von Menschen, die ihre Fische aus einem großen, berstenden Aquarium mit einem winzigen Wasserglas zu retten versuchen.

Und manchmal wirkt sich die Klimaerwärmung ganz anders aus, als man es erwarten würde: Das norwegische Institut für Naturforschung erhob in einer Langzeitstudie, dass pflanzenfressenden Säugetiere wie Rentiere gerade durch das zunehmend wärmere Wetter in der Polarregion leichter verhungern. Durch milde Winter gibt es mehr Regen als Schneefall. Dadurch vereist die Schneedecke stärker und der Energieaufwand für die Rentiere, an die darunter liegenden Flechten zu kommen, erhöht sich deutlich. Die Bestände wildlebender Rene verkleinern sich seit 1995 kontinuierlich.

An den vergleichsweise rasenden Wechsel der Lebensbedingungen können sich viele Tierarten nicht ebenso schnell anpassen. So finden Raupen, die sich beim Schlüpfen an der Tageslänge orientieren, nur mehr ältere, harte und damit für sie ungeeignete Blätter als Nahrung vor. Diese Insekten fehlen wiederum als Nahrungsgrundlage für die aus dem Süden zurückkommenden Vögel. Besonderer Verlierer: der Kuckuck. Diese Vögel halten sich weiterhin an ihren Terminkalender und bleiben bis April in Afrika. Wenn sie von dort zurückkommen, dann haben die anderen Vögel längst gebrütet und ihr Nachwuchs ist geschlüpft. Da fällt jedes neue Kuckucksei dann doch sehr auf.

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