Das Fotografische wird bei Camera Austria aus Eigenliebe skulptural

Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig
Steiermark, FALTER 02/14 vom 08.01.2014

Aus Fotografie "Skulptur" zu extrahieren, wie die aktuelle Ausstellung bei Camera Austria vorschlägt, liegt dem Selbstverständnis des Fotografischen erstaunlich nahe. Schließlich ist die Fotografie ein eher transparentes Medium, das oft gar nicht zweidimensional erscheinen will, sondern mehr als unsichtbare Folie, die so wenig Widerstand wie irgend möglich zwischen Betrachter und Motiv einschleust. Daher besteht die klassische Herangehensweise, Fotografie mit Skulpturalem zu verknüpfen, darin, einfach etwas deutlich Skulpturales abzulichten.

So gewinnt etwa Christian Mayer aus der Abbildung alter Pflanzensamen reliefartige Tableaus, und Carly Steward inszeniert jene Dinge, die sonst musealen Exponaten die richtige Haltung einzunehmen helfen, als wären sie selbst archäologische Fundstücke. Rückbezüglich wird die Sache dann, wenn das fotografierte Objekt nahe am fotografischen Material selbst ist, wie bei Lotte Lyon, die aus japanischem Origami-Papier Modelle bastelt oder bei Anita Witek, die aus Architekturbüchern Fotoschnipsel schneidet und diese in Collagen neu gruppiert. Noch einen Schritt weiter im Verwischen der Grenzen des Medialen ist Laurie Kang, die keine Kamera mehr braucht, sondern das Fotopapier gleich derart an der Wand befestigt, dass man das Arrangement für eine Filz-Skulptur von Robert Morris halten könnte. Und wie immer bei Camera Austria ist auch die Ausstellungsarchitektur ganz themenbezogen und Kunstwerk für sich: Die schräg den Raum schneidende Wand ist Display und Skulptur in einem, so wie das fotografische Bild, wenn's funktioniert.

Camera Austria, Graz, bis 16.2.

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