Ist das der Weg nach Cordobar?

Im neuen Glasweise soll der Wein in der Mitte stehen. Derweil tut das der Geruch

Florian Holzer
20.01.2014
Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Das Lokal schräg gegenüber vom WUK war schon vieles, zuletzt – und sogar relativ lange – ein italienisches Restaurant namens Arcadia. Ende vergangenen Jahres wurde es von einer Gruppe rund um René Steindachner übernommen und still und heimlich als Glasweise eröffnet. Steindachner mit ins Team zu holen, war sicher kein schlechter Plan, schließlich ist er mit seinem Café Français der erste Mensch der Welt, der die dortige Location ohne Sauerstoffgerät zum Erfolg machte.


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Das Glasweise wurde allerdings nicht zu einem zweiten Franzosen-Café, sondern zu einem Lokal, „in dem der Wein im Mittelpunkt stehen soll“, sagt René Steindachner und schwärmt vom Vorbild der Cordobar in Berlin, das eine Gruppe von österreichischen und deutschen Wein-Freaks vergangenes Jahr zur wahrscheinlich interessantesten Weinbar der deutschen Hauptstadt machten. Okay, das Glasweise sieht ganz ein bisschen so aus wie die Cordobar, also es hat zumindest auch so weiß getünchte Ziegelwände, eine schwarze Bar und schwarzes Mobiliar. Was das Glasweise allerdings nicht hat, sind haufenweise Regale mit grandios interessanten, extravaganten Weinen, wie es die Cordobar hat. Die Weinkarte des Glasweise ist vergleichsweise bieder, bietet ein paar durchaus nette Getränke und als Reminiszenz an das Berliner Vorbild sogar einen deutschen Riesling – der nett ist, aber halt Einsteigerware. Wenn Wein Mittelpunkt sein soll, braucht’s da noch.

Und was das Glasweise leider auch nicht hat, ist ein Küchenchef wie Lukas Mraz, Sohn von Markus Mraz, des unkonventionellsten Drei-Hauben-Kochs in Wien. Sohn Lukas kocht dort in der Cordobar lustige, farbenfrohe Kleingerichte, wie sie uns in Wien durchaus auch schmecken würden, im Glasweise fährt man da ein etwas konventionelleres Programm, viel Carpaccio, viel Tatar, viel Jakobsmuschel, eh okay, aber halt ein bisserl 1.0. Die Tatarvariation besteht aus Lachs, Thunfisch und Rind, beim Lachstatar hatte sich irgendwie Obers hineingeschummelt, Beef mit Wachtel-Spiegelei war okay, der Thunfisch halt schon sehr grau (€ 11,80).

Die Vorspeise aus Avocado und Garnele, eine Kombination, bei der man kaum etwas falsch machen kann, hatte auch noch Karottensalat und eine seltsame Marinade zu bieten, die Garnelen waren irgendwie sehr blass und wässrig, das ganze zu einem Turm geschichtet … (€ 8,90). Und bei den „Mezzelune“ – riesigen Ravioli mit Rindfleisch-Ricotta-Füllung – sollte dekoratives Wok-Gemüse offenbar für Weltküchen-Appeal sorgen, mittelgute Idee (€ 12,80).

Andere Gerichte, die vorbei getragen wurden, sahen definitiv besser aus als meine Wahl, muss ich sagen, änderten aber nicht die Hauptproblematik des Glasweise: Die Lüftung reicht nicht aus, das ganze Lokal riecht nach Küche. Ich weiß nicht, wie das in der Cordobar ist – ich nehme an, anders.

Resümee:

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Ein neues Weinlokal, das ein bisschen die Kopie eines neuen Weinlokals in Berlin sein will. Klappt noch nicht so ganz.

Glasweise, 9., Währinger Straße 74
Tel. 922 10 52, Mo–Sa 17–2 Uhr
www.glasweise.com

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