Ich rufe nicht jeden Tag im KZ an

Mit ihrer Familienrecherche "Vielleicht Esther" ist Katja Petrowskaja zum Darling des Feuilletons avanciert. Zu Recht?


Lektüre: Klaus Nüchtern

Feuilleton, FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Wenn die eigene Kultur langsam schlaff wird, muss man sich Frischblut aus anderen Winkeln der Welt besorgen. Das hat -zugleich metaphorisch und wortwörtlich - Jim Jarmusch in seinem letzten Film "Only Lovers Left Alive" gezeigt, wo die bildungsbürgerlichen Vampire Adam und Eve ein junges Paar anzapfen, nachdem sie sich im Club einen Live-Auftritt der libanesischen Sängerin Yasmine Hamdan reingezogen haben.

Die deutschsprachige Literatur bezog belebende Einflüsse zuletzt weniger aus dem Mittelmeer- als aus dem Schwarzmeerraum. Unterschiede in der Qualität und Machart einmal außer Acht gelassen, fällt doch auf, wie viele Autoren mit "Osthintergrund" in den letzten Jahren von sich reden machten, wobei Schriftstellerinnen aus der ehemaligen Sowjetunion besonders zahlreich sind: Alina Bronsky, Marjana Gaponenko, Lena Gorelik, Tanja Maljartschuk, Olga Martynova, Katja Petrowskaja, Julya Rabinowich,

Eine andere Geschichte bringt auch andere Geschichten hervor - etwa jene der aus Kiew gebürtigen

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