Avantgarde und Dosenbier

In einer Lainzer Kirche wurde letzte Woche die Errichtung der europäischen Kulturmetropole Urbo Kune in Angriff genommen

REPORTAGE: KLAUS NÜCHTERN
Feuilleton, FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Wenn in einer Kirche Dosenbier getrunken wird, dann handelt es sich entweder um den selbstgebastelten Meditationsgottesdienst eines Hippiepfarrers oder was ganz anderes. Eindeutig Letzteres war in der Konzilsgedächtniskirche Lainz der Fall, als dort am vergangenen Freitag der multimediale utopische Hauptstadterrichtungsanbahnungsevent "konstellation I" über die Bühne ging.

Ziel dieser Koproduktion des Forums für experimentelle Architektur mit Netzzeit und dem Klangforum Wien ist die Errichtung einer europäischen Kulturhauptstadt namens "Urbo Kune", die "eine einzigartig menschengerechte und demokratische, technologisch, ökologisch und ästhetisch neuartige Stadt" werden soll, wie das entsprechende Manifest in allgemein gehaltenem Pathos fordert.

Im Kircheninneren herrscht gesamtkunstwerkliche Betriebsamkeit: Diaprojektionen, Installationen, Architekturmodelle, ein Live-Zeichner, zwei Schachspieler und halbstündiger, nervtötender Applaus vom Band stimmen schon einmal auf das Mitmachethos

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