Die Schande von Stein

In Österreichs größter Justizanstalt nehmen Beamte Verwesungsgerüche wahr. Dann öffnen sie die Tür. Der Justizminister spricht von einer "Katastrophe"

Florian Klenk
POLITIK, FALTER 21/14 vom 20.05.2014
Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Am Morgen des 10. März nehmen die Beamten der Justizanstalt Stein im Hochsicherheitstrakt West 1 eine „Geruchsbelästigung“ wahr. Sie rufen einen Vorgesetzten am Diensttelefon an, Amtsinspektor Walter Schöberl. Er möge dringend kommen, es gebe Probleme mit einem „geistig abnormen“ Insassen, der nicht zum Arzt wolle.

Amtsinspektor Schöberl lässt den Haftraum des Insassen mit der Nummer 87500 öffnen. Ein alter Mann mit dick eingebundenen Beinen blickt ihn an: Wilhelm S., 74 Jahre, gelernter Kellner, „geistig abnorm“, seit 1995 inhaftiert.

Schöberl schreibt einen Tag später in sein Protokoll, ihm sei beim Öffnen der Zellentüre „starker Verwesungsgeruch“ entgegengeschlagen.

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  1346 Wörter       7 Minuten

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