Kasachischer Ex-Botschafter Rakhat Aliyev beklagt schwere Übergriffe in Wiener U-Haftgefängnis

Anwalt zeigte Erpressungen und Diebstähle durch Mitgefangene an. Sicherheit offenbar nicht gewährleistet. Sogar T-Shirts und Gürtel gestohlen

Florian Klenk
01.07.2014

Wieder Aufregung um den Strafvollzug in Österreich. Offenbar können selbst die prominentesten Insassen nicht ausreichend geschützt werden.

Wie der FALTER in seiner morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe berichtet, soll der wegen Mordverdachts in U-Haft einsitzende ehemalige kasachische Botschafter Rakhat Aliyev Opfer von Übergriffen seitens seiner Mitgefangenen geworden sein.


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Wie ein vertraulicher Schriftverkehr zwischen Aliyevs Anwalt Manfred Ainedter und der Anstaltsleitung zeigt, soll Aliyev mehrmals von Häftlingen erpresst und bestohlen worden sein. Sogar T-Shirts und ein Gürtel sollen Aliyev geklaut worden sein. Aliyev habe über Anwälte mehrere tausend Euro an Mitgefangene bezahlen müssen, um in Ruhe gelassen zu werden.

Die Anstaltsleitung reagierte vergangene Woche auf die Beschwerde Ainedters, erstattete Strafanzeige und ordnete per Weisung eine Unterbringung in einen geschlossenen Zwei-Mann-Haftraum an. Alieyev gilt laut Aktenlage als selbstmordgefährdet und darf nicht alleine eingesperrt werden.

Die Attacken in Staatsgewahrsam überraschen umso mehr, da Aliyev wohl einer der am meisten gefährdeten Insassen ist. Der kasachische Geheimdienst, so zeigen interne Polizeiakten, versuchte den kasachischen Ex-Botschafter schon mehrmals in Wien zu entführen, weil er beim kasachischen Präsidenten Nursultan Narsabajew in Ungnade gefallen sein soll.

Einer der Strafverteidiger Alieyews war vor Jahren der heutige Justizminister Wolfgang Brandstetter. Was Alieyew erlebt habe, so Anwalt Ainedter, sei „Alltag in Österreichs Gefängnissen“.

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