"Ironie ist das Einzige, was einen vor den Tränen bewahrt"

Der Australier Les Murray ist einer der größten lebenden Dichter. Ein Gespräch über Gott, Politik und Poesie

INTERVIEW: ERICH KLEIN, ARMIN THURNHER
Feuilleton, FALTER 38/14 vom 17.09.2014

Ein Credo des Lyrikers und Literaturkritikers Les Murray lautet: "Arme Kulturen können sich Lyrik leisten, reiche Kulturen nicht." Daran hielt sich Australiens bekanntester Dichter immer. Wir trafen Murray, mehrfach für den Nobelpreis im Gespräch, im Mai dieses Jahres nach seiner Lesung in der Alten Schmiede zum Frühstück.

Falter: Über all Ihren Bücher steht die Widmung "To the glory of God" -"Zum Ruhme Gottes". Was hat es damit auf sich?

Les Murray: Ich würde mich ohne diese Widmung verloren und merkwürdig fühlen.

Bach und andere Komponisten haben das ans Ende ihrer Kompositionen gesetzt.

Murray: Das wusste ich nicht. Versucht man, über die Sprache hinauszugehen, stößt man an die Grenzen der menschlichen Ausdruckskraft. Es gibt dann Dinge, die man nicht mehr sagen, sondern nur zeigen kann.

Welchen Gott sprechen Sie da an -einen christlichen, einen buddhistischen, einen jüdischen?

Murray: Darum kümmere ich mich gar nicht. Ehrlich gesagt, schreibe ich über diesen Gegenstand nur

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  1953 Wörter       10 Minuten

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