Film Neu im Kino

Ein Stück englischer Geschichte: "Pride"

Sabina Zeithammer
Lexikon, FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Kein Mensch ist eine Insel - und auch keine Menschengruppe sollte eine Insel sein. Mit "Pride" zeigen der englische Regisseur Matthew Warchus und sein Drehbuchautor Stephen Beresford, wie inspirierend und ermächtigend es ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Auch wenn es bis zu dieser Erkenntnis manchmal ein weiter Weg ist.

Die beiden "Inseln", die sich in der englischen Tragikomödie annähern, sind eine Gruppe homosexueller Londoner und die Bevölkerung eines Bergarbeiter-Dorfs in Wales. Wir schreiben das Jahr 1984, die Bergbaugewerkschaft streikt gegen den Kurs Margaret Thatchers. Anlässlich der Gay-Pride-Parade fasst der junge Mark den Entschluss, für die National Union of Mineworkers Spenden zu sammeln. Das Grüppchen "LGSM -Lesbians and Gays Support the Miners" formiert sich. Die Bergarbeiter freuen sich bedingt über diese Unterstützung, laden LGSM auf Initiative der weltoffenen Hausfrau Sian und des dankbaren Dai jedoch zu sich ein.

"Pride" arbeitet in der Folge nicht nur Berührungsängste und Vorurteile heraus, sondern zeichnet im Aufeinandertreffen der Gruppen - nach einer teilweise geglückten Annäherung erfolgt ein Rückbesuch in London - viele humorvolle Momente. Seinem Titel entsprechend konzentriert sich Warchus' Film aber auf die gesellschaftliche Härte, die homosexuellen Menschen in den 1980er-Jahren begegnete (und in vielen Regionen der Welt bis heute begegnet): die Ablehnung durch die Familie, verbale und körperliche Gewalt, homophobe Medienberichte. Hinzu kommt die furchtbare Realität von HIV/Aids.

Basierend auf wahren Begebenheiten ist Warchus ein berührendes, melancholisches Werk mit einem starken Ensemble gelungen. In einer Nebenrolle ist der wie immer wunderbare Bill Nighy zu sehen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Top)

ANZEIGE

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Artikel der aktuellen Ausgabe finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!