Kunst Kritik

Pastellträume: Tauchgang für die Augen

Lexikon, FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Der Impressionismus als Melkkuh des Ausstellungsmarktes scheint sich nie zu erschöpfen. Für die Schau "Im Lichte Monets" hat Kurator Stephan Koja aber nicht nur viele tolle Leihgaben besorgt, sondern auch die Wirkung des Franzosen auf die heimische Malerei erforscht. Erstmals betreten die Besucher die Orangerie frontal, und das Gemälde "Die Kathedrale von Rouen in der Sonne" sorgt sogleich für eine Augenweide. 1903 präsentierte die Secession eine große Impressionisten-Schau und rund 30 Jahre nach Erfindung dieser Kunstrichtung um 1870 begannen sich auch Wiener Maler für diese Freiluftmalerei zu begeistern. Motivische und kompositorische Ähnlichkeiten strukturieren die jetzige Ausstellung, in der die Augen etwa zwischen einer mediterranen Gartenansicht von Olga Wisinger-Florian und Monets Blumenpracht in Giverny pendeln können. Klimt wurde von Monet zu flächigen Landschaften und seinem Wasserbild "Am Attersee" inspiriert. Den Ehrgeiz zur Auflösung der Formen beweisten auch Emilie Mediz-Pelikans "Meer in Mittagsglut" oder Theodor von Hörmanns nächtliche Paris-Ansicht.

So toll die Bilder, so begrenzt der Platz: Die Schau ist für die Orangerie schlicht zu umfangreich, bei mehr Besuchern wird das ein Fiasko. Die viel zu dichte Hängung ist umso ärgerlicher, als gegenüber von Monets großartiger Serie zur Londoner Waterloo-Bridge die völlig unpassende "Erzberg"-Serie von Agnes Hussleins Großvater Herbert Boeckl reingequetscht werden musste. Und nachdem man sich in zwei der späten Seerosenbilder verloren hat, beschert der letzte Saal ein böses Erwachen: Die im Vergleich riesigen, braun-dominierten Temperabilder von Max Weiler aus den 1970ern verpatzen den pastellfarbenen Ausstellungstraum am Ende gründlich. Belvedere, bis 8.2.

ANZEIGE

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Artikel der aktuellen Ausgabe finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!