Wie gewonnen, so zerronnen

Urbanismus-Kolumne

Stadtleben, FALTER 6/2015 vom 04.02.2015

Vor gar nicht allzu langer Zeit haben wir im Stadtleben ein Wunder bejubelt, uns fast die Hax'n ausgefreut: Der Meidlinger Markt, er lebt! Vor unseren inneren Augen haben wir bereits einen neuen Yppenplatz heranwachsen sehen. Vielleicht rief auch ein Teil in uns "Meidling darf nicht Neubau werden", trotzdem, wir freuten uns ob des bunten Pflänzchens, das da im grauen Arbeiterbezirk heranspross. Der Milchbart. Das Purple Eat. Die rumänische Greißlerei. Die Marktstandln. So schön, vor allem im Sommer.

Aber jetzt ist Winter, und enttäuscht stellt man fest: Wunder, die gibt es nicht - und schon gar nicht in Meidling. Die Aufbruchstimmung des vergangenen Frühlings ist erstickt: Würde nicht der anachronistische Neonschriftzug "Meidlinger Markt" auf diesen hinweisen, man würde ihn nicht als solchen erkennen. Ein einziges Standl und zwei Gemüsehändler bieten Waren feil. Die meisten Buden sind geschlossen oder haben überhaupt wieder zugemacht. Lediglich aus dem Purple Eat duftet es nach Gekochtem, und die Öffnungszeiten des Milchbarts geben Rätsel auf. Schade drum.

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