"Wir sind die neuen Helden"

Bilderbuch haben den heimischen Pop sexy gemacht. Jetzt erscheint ihr neues Album. Sänger Maurice Ernst spricht mit dem Falter über Falco, Exzesse und die Festivalmafia

Gerhard Stöger
FEUILLETON, FALTER 07/15 vom 10.02.2015
Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es ist zwar erst zehn Uhr Vormittag, aber Maurice Ernst hat schon einen ausgiebigen Spaziergang durch das winterliche Wien hinter sich. Er ist ganz in Schwarz gekleidet, seine Haare sind grellblond gefärbt, die Augen leuchten blaugrün. Am Handgelenk baumelt ein Goldketterl, im linken Ohrläppchen glänzt ein Sportwagen-Flinserl. Der 26-Jährige ist ausnehmend höflich und eindrucksvoll mitteilsam. Er spricht fast ohne Punkt und Komma, seine Hände sprechen mit, und gerne unterstreicht er Aussagen mit der Phrase „Punkt, Ende, aus“.

Seine Band Bilderbuch hat er vor zehn Jahren als Klosterschüler in Kremsmünster gegründet. Zwei Alben zwischen deutschsprachigem Indiepop und ambitioniertem Denkerrock brachten Achtungserfolge, zwei Singles 2013 die stilistische Neuerfindung und den Durchbruch: „Plansch“ und „Maschin“ wurden weit über die lokale Indie-Szene hinaus zu Hits, die Bilderbuch die deutschen Festivalbühnen öffneten; das Feuilleton reagierte euphorisch.

„Diese Musik ist geil, weil sie geil ist“, schrieb die Süddeutsche Zeitung, und genauso verhält es sich auch mit dem Album „Schick Schock“, das am 20.2. auf dem bandeigenen Label Maschin Records erscheint: Maurice Ernst lässt dem Falco in sich freien Lauf, und Bilderbuch geben dem österreichischen Pop, was ihm so lange fehlte: eine ordentliche Portion Sexappeal.

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  2417 Wörter       12 Minuten

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