Am Apparat Telefonkolumne

Warum sollen Moscheen Flüchtlinge nicht verköstigen?

INTERVIEW: BARBARA TÓTH
Politik, FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Das Bild des tüchtigen Kochs fand sich in vielen österreichischen Zeitungen. Täglich bereitete er in der Selimiye-Moschee des islamisch-türkischen Kulturvereins in Traiskirchen für rund 2000 Flüchtlinge des Lagers Traiskirchen bekömmliche Speisen zu, die im Fastenmonat Ramadan nach Sonnenuntergang gegessen werden dürfen. Der Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger sieht dieses Engagement aber nicht nur positiv.

Herr Schmidinger, warum kritisieren Sie die Aktion der Traiskirchner Moschee?

Meine Kritik richtet sich in erster Linie an den Staat. Es ist Aufgabe Österreichs, die Flüchtlinge in Traiskirchen ausreichend zu versorgen, damit sie eben nicht in eine nahegelegene Moschee zum sogenannten Iftar-Essen ausweichen müssen. Bedenklich ist meiner Meinung nach aber auch, dass hinter der Selimiye-Moschee die Organisation Millî Görüş steht.

Das ist eine islamische Organisation, die vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet wird. Radikalisiert sie die Flüchtlinge?

Sie ist sicher nicht dschihadistisch, aber sie vertritt einen ideologisierten, politischen Islam. Nicht jeder Flüchtling, der sich ein Essen holt, wird gleich indoktriniert, aber er kommt gleich zu Beginn seines Österreich-Aufenthaltes in Kontakt mit der doch sehr konservativen Ideologie dieser Vereinigung. Das halte ich für problematisch. Leider ist die Traiskirchner Moschee auch dafür bekannt, dass immer wieder Jugendliche mit Aussagen wie "Der Imam hat uns erklärt, dass Juden in Österreich keine Steuern zahlen müssen" aus der Moschee gekommen sind.

Warum schafft es das Lager Traiskirchen nicht, genügend Ift ar-Essen zuzubereiten?

Muslime erhalten dort schon Essen, das halal ist, allerdings ist Traiskirchen offenbar überfordert, auch auf die Essenszeiten im Ramadan Rücksicht zu nehmen, während dies eine kleine Moschee schafft.

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