Utopia „Es geht auch anders“

Vor 500 Jahren erschien „Utopia“ von Thomas Morus. Der Kulturtheoretiker Thomas Macho erklärt, warum wir in einer Utopie leben und dennoch ohne Hoffnung sind

Matthias Dusini
FEUILLETON, FALTER 10/16 vom 08.03.2016
Illustration aus der Erstausgabe von „Utopia“

Illustration aus der Erstausgabe von „Utopia“

Das Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Thomas Macho beginnt mit einer Naturkatastrophe. Der kleine Baum, der sein Wiener Büro ziert, fällt um und begräbt den Wissenschaftler unter seinem Laub. „Das fängt ja gut an“, scherzt der neue Leiter des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften (IFK), der über 20 Jahre an der Berliner Humboldt-Universität unterrichtete und nun in seine Heimatstadt Wien zurückgekehrt ist.

Das Thema des Falter-Gesprächs ist Utopie. Vor 500 Jahren publizierte der englische Humanist Thomas Morus sein Buch „Utopia“. Der Entwurf einer friedlichen Insel beeinflusste alle kommenden Vorstellungen von einer besseren Welt. Macho widmet Morus im Herbst eine IFK-Tagung in Linz und erklärt im Gespräch, warum Utopien heute so einen schlechten Ruf haben. Er selbst denkt dabei weniger an die Muehl-Kommune oder den Islamischen Staat als an die Solidarität der Zivilgesellschaft.

Falter: Herr Macho, ist die Utopie von Thomas Morus auf der Insel Europa Wirklichkeit geworden?

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  1879 Wörter       9 Minuten

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