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Pressekolumne


Nina Horaczek

Medien, FALTER 13/16 vom 30.03.2016

Sensations-Buch enthüllt endlich die Wahrheit", titelte Österreich vergangene Woche über ein neues Buch zum Kriminalfall Natascha Kampusch. Genüsslich beschreibt das Fellner-Blatt, wie ihr Entführer das damalige Mädchen demütigte. Auch Heute zitierte aus zuvor öffentlich nicht bekannten Videos, auf denen der Entführer zu Kampusch sagt, sie müsse "immer lieb sein. Immer gehorchen". Natürlich zeigen beide Blätter das Verlies, in dem das Mädchen eingesperrt war, samt all ihren persönlichen Sachen -und zerren so wieder ihr Privatestes an die Öffentlichkeit.

Die ganze Woche ergötzen sich die Gratiszeitungen an grauslichen Details dieses Entführungsfalles - nacktes Mädchen, Vermessung ihres Körpers, wüste Beschimpfungen ihres Entführers im Wortlaut. Auch die Krone schreibt von den "klebrigen Klauen des Strasshofer Kerkermeisters". Und nach ein paar Tagen steht dann in Österreich: "Kampusch: Künstliche Aufregung um das Buch". Man kann dem größten Psychopathen entkommen. Der Boulevardpresse entkommt man auch zehn Jahre danach nicht.

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