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Christian Kerns Krisenkommunikation


Seit 17. Mai ist Christian Kern der 13. Bundeskanzler der Zweiten Republik. Dass er als einfaches Parteimitglied ohne Funktion die Kanzlerpartei SPÖ für sich gewinnen konnte, hat wohl auch damit zu tun, wie er sich während der Asylkrise als ÖBB-Chef verhielt. Als Flüchtlinge im Sommer 2015 auf Österreichs Bahnhöfe strömten, reagierte Kern menschlich und behielt die Nerven. Aber wie brachte er auch die anderen Menschen dazu, Ruhe zu bewahren? Warum kam es zu keinen groben Zwischenfällen auf den Bahnhöfen -es herrschte doch Ausnahmezustand? Kurzum, wie gewann Kern die Öffentlichkeit für sich?

In Berlin vergab das Magazin Pressesprecher vergangene Woche den "Deutschen Preis für Onlinekommunikation" an die ÖBB und die PR-Agentur Pick &Barth. Kategorie: "Krisenkommunikation". Grund: die Kampagne der ÖBB während der Asylkrise. "Innerhalb von 24 Stunden wurde eine Kampagne konzipiert, umgesetzt und ausgespielt: Menschlichkeit fährt Bahn", lautet die Begründung für den Preis, "damit wurde ein Lovestorm in der digitalen Öffentlichkeit ausgelöst, die Bahn für die gute Arbeit und exzellente Kommunikation gelobt und bei den Kunden Verständnis geschaffen." Was heißt das konkret? Die Bahn richtete damals sofort einen digitalen Newsroom ein, in dem die Kommunikation intern zusammenlief und der als Informationsdrehscheibe diente. Die Bahn sprach im Netz einerseits gezielt private Helfer und NGOs an und entkräftete andererseits sofort böse Gerüchte und Falschmeldungen, die im Netz verbreitet wurden. Sie informierte die Kunden und motivierte die Mitarbeiter.

Es ging alles gut. Und Kern wurde ein knappes Jahr später Kanzler.

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