Herr Hitler ist wieder da!
Premierminister David Cameron wollte mit einer Volksabstimmung die Debatte über Großbritannien und Europa beenden. Jetzt sieht er, dass das Land zwischen Ernst und Parodie nicht mehr unterscheiden kann
Und immer wieder geht es um Hitler. In einem Plädoyer für den Austritt aus der Europäischen Union konnte sich Boris Johnson, der Londoner Bürgermeister a.D., den Verweis auf die Ambition des Führers, einen europäischen Superstaat zu gründen, einfach nicht verkneifen. Besser gesagt: Er wollte es nicht.
Johnson ist schließlich ein Briten-Versteher der Sonderklasse. Seine Masche ist es, Sachen in den Raum zu stellen, von denen er weiß, das sein Gegenüber weiß, dass er weiß, dass sie nicht unbedingt wahr -aber gefühlt doch irgendwie zutreffend sind. So spricht er seine Landsleute auf ihrer Wellenlänge an.
Dass dabei der erste Hitler-Vergleich seit langem im ernst gemeinten politischen Diskurs gefallen ist -das ist nicht weiter schlimm. "Den kann man doch nicht ernst nehmen!", sagen die Leute sich seit Jahren über Johnson. Und machten beim Urnengang dann ein stilles Kreuzchen hinter seinem Namen.
Neben einer volkspsychologischen Urangst vor der Macht Kontinentaleuropas und jahrzehntelangen