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Pressekolumne

NINA HORACZEK
Medien, FALTER 25/16 vom 22.06.2016

Der Shitstorm trifft normalerweise die Bösen. Die Boulevardschweine zum Beispiel. Vergangenes Wochenende hat die elektronische Empörung aber ausgerechnet der Süddeutschen Zeitung gegolten. Das Qualitätsblatt aus München musste sich öffentlich entschuldigen. Dabei war der Artikel der Empörung sogar gut gemeint. "Ein Lob auf die menschliche Verschiedenheit", versprach die Süddeutsche in ihrem Nachruf auf den verstorbenen Alf-Darsteller Michu Meszaros, einen Mann, der nur 84 Zentimeter groß war.

"Dank an alle Hobbits, Liliputaner, Schlümpfe und Zwerge", schrieb die Süddeutsche und zog sich damit den Zorn kleiner und großer Menschen zu. "Ich bin kein Zwerg. Ich bin ein Mensch", posteten jene auf Twitter. Mit Formulierungen wie, Kleinwüchsige würden "in Kinderkörpern" stecken, sich "komisch bewegen" und "piepsen, als hätten sie Helium eingeatmet", ließ die SZ kein Klischee aus. Es wäre die beste Würdigung gewesen, Michu Meszaros auch im Nachruf als das zu behandeln, was er war: eine Persönlichkeit, die eben ein bisschen anders war als andere.

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