Kommentar Grüne Streitereien

Grüner Silberrücken? Warum die Grünen Peter Pilz brauchen


FLORIAN KLENK

Falter & Meinung, FALTER 51/16 vom 21.12.2016

Vielleicht sind das ja alles nur Gerüchte, gestreut von Intriganten. Vielleicht wird es aber auch ernst: Der grüne "Aufdecker" Peter Pilz, so berichten die Tageszeitungen, müsse kommendes Jahr um ein sicheres Mandat bangen. Es könne leicht sein, dass er sein Mandat verliere. Schon wird er diskreditiert: Pilz, der Silberrücken. Pilz, der störrische alte, weiße Mann. Pilz, der Quertreiber, der sich nur um sein Ego kümmere. Peter Pilz nimmt all das mit Humor, aber ein wenig mulmig ist ihm schon. Wer ihn kennt, weiß, dass er sich einen würdelosen Abgang, wie ihn das grüne EU-Urgestein Johannes Voggenhuber erleiden musste, nicht bieten lassen würde. Pilz - der Van der Bellen entdeckt und zahlreiche Polit-Affären aufgedeckt hatte, würde die Konfrontation mit der Parteispitze suchen, er ist ein Kämpfer, der auch die Blutgrätsche kennt.

Sein offen zelebrierter Streit mit Parteichefin Eva Glawischnig kann als ewig wiederkehrendes Zankritual einer Partei verbucht werden, die breitere Wählerschichten ansprechen will. Soll es soft, mit "Open Campaigning" und einem positiv besetzten Heimatbegriff erfolgen? Und steht da Pilz, der mehr linken Stammtischpopulismus fordert, dem entgegen? Der Kapfenberger hätte die Partei gerne etwas angriffi ger -nicht im Sinne eines sektiererischen Fundi-Flügels, sondern in der Tradition der harten Oppositionspartei.

Der Konflikt mit Pilz ist für die Grünen auch eine Kulturfrage: Wollen sie bekannte Mandatare, die jahrelange Kompetenz gesammelt haben, tatsächlich opfern, damit junge, allzu oft nur in Basisgruppen geschulte Funktionärinnen nachrücken können? Oder wollen sie lieber auch anstrengende Figuren an der Front sehen? Bald werden wir es wissen.

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