Der Bob Dylan vom Praterstern

Der Nino aus Wien ist der beste österreichische Liedermacher seiner Generation. Nun wird er 30 und bringt sein bisher poppigstes Album heraus

Gerhard Stöger
FEUILLETON, FALTER 13/17 vom 28.03.2017

Foto: Heribert Corn

Eine Strophe. Zwei Sätze. Vier Zeilen. Mehr braucht Der Nino aus Wien nicht, um gleich in den ersten Sekunden seines neuen Albums „Wach“ eine ganze Welt aufzureißen und das Erhabene mit dem Profanen zu verbinden. „Ich such, such am Himmel oben / die rosa Lichter im Blau verwoben“, singt er, eingebettet in ein hübsch-harmonisches Akustikpop-Arrangement. „Ich such, such am Boden unten / die Geschirrtücher im Cola ertrunken.“

In seinen Tränen sucht er dann die Erinnerung und das Vergeben, in alten Laden Drogenreste aus Jugendtagen. Doch das Lied heißt nicht etwa „Ich suche“, es heißt: „Was ich schon gefunden hab“. Der knappe Refrain bricht mit der Rastlosigkeit der Strophen: „Wenn du es nicht weitersagst, wenn du es nicht weitersagst, wenn du es nicht weitersagst, zeig ich dir, was ich schon gefunden hab.“

Ein intimer Offenbarungseid steckt in diesen Worten, gleichzeitig auch ein Angebot zur Komplizenschaft. „Wach“ ist noch keine drei Minuten alt, und Der Nino aus Wien hat bereits gewonnen. Wieder einmal. Er setzt einen Lauf fort, der 2009 begann und spätestens vor drei Jahren endgültig offenkundig wurde.

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  2639 Wörter       13 Minuten

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