Komm, heißer Tod

Die Hitze hat in Wien bereits hunderte Menschen dahingerafft. Gefährdet sind vor allem die Schwächsten in der Gesellschaft. Die schlechte Nachricht: Es kann noch viel schlimmer kommen

Benedikt Narodoslawsky
STADTLEBEN, FALTER 35/17 vom 29.08.2017

Illustration: Georg Feierfeil

Freitag, 15.30 Uhr, Zentrale des Wiener Roten Kreuzes nahe der U-Bahn-Station Erdberg. Johannes Pacher steigt aus seinem Einsatzwagen RK-Landstraße1/Tag aus. Sein Tag, das waren: ein verunfallter Radfahrer, ein Drogenkranker, ein Krankentransport, eine alte Dame mit Herzrhythmusstörungen. Der Freitag ist ein Hitzetag. So nennt man Tage, an denen das Thermometer die 30-Grad-Celsius-Marke knackt.

Die Hitzetage in Wien nehmen zu. Rasant. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) maß auf der Wiener Messstation der Hohen Warte in den 1980er-Jahren insgesamt 102 Hitzetage. In den 1990er-Jahren waren es 152, in der ersten Dekade der 2000er-Jahre 192. Von 2010 bis 2017 sind es bereits 201, dabei ist weder dieser Sommer noch das Jahrzehnt vorbei. Innerhalb von 30 Jahren wird sich die Zahl der Hitzetage in Wien also mehr als verdoppelt haben. Und sie werden weiter zunehmen.

Das Klima hat das Rote Kreuz in Wien verändert. An Tagen ab 30 Grad – das ist die Regel des Roten Kreuzes – steht im Morgengrauen extra ein Mitarbeiter mit Mineralwasserflaschen in der Ausfahrt und reicht sie den Sanitätern durchs Autofenster. Sie müssen an diesen Tagen viel trinken, um in der Hitze so leistungsfähig wie möglich zu bleiben. Pacher hat sich seine Flasche ins Seitenfach der Beifahrertür geklemmt. Seit 2009 ist er im Rettungsdienst, er kann sich noch an Krankenwagen ohne Klimaanlagen erinnern. Die Zeiten sind vorbei, aber bei extremer Hitze stößt selbst die neue Klimaanlage an ihre Grenzen. „Seit zwei Jahren haben wir auch eine neue Uniform für den Sommer“, sagt Pacher und zupft an seiner roten Hose mit den Reflektoren, „das ist ein neues, relativ dünnes Modell. Es ist luftdurchlässiger.“ Die Hitze ändert die Arbeit des Roten Kreuz auch auf eine andere Weise: An heißen Tagen wie diesem Freitag gibt es in Wien um rund zehn Prozent mehr Einsätze.

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