Die Geschäfte eines Grenzgängers

Wieso kassierte der Wiener Rechtsanwalt Christian Hausmaninger über eine Briefkastengesellschaft eine halbe Million Euro von einem Zubringerfonds des Milliardenbetrügers Bernie Madoff? Eine Spurensuche

Josef Redl
05.11.2017

Foto: viennacontemporary / Jakob Polacsek

Wenn Anwaltskollegen über Christian Hausmaninger sprechen, fällt meistens ein Begriff: Grenzgänger. Kaum einer kennt sich besser mit Grenzen aus als Christian Hausmaninger. Es ist vor allem das Niemandsland zwischen Grenzen, in dem er sich zu Hause fühlt. Die Grauzonen zwischen Rechts- und Steuersystemen sind sein berufliches Heimatland. Auch Hausmaninger pflegte geschäftliche Kontakte zu der Offshore-Rechtsanwaltskanzlei Appleby, die im Zentrum der Enthüllungen der internationalen Recherchekooperation unter dem Titel „Paradise Papers“ steht. Dies geht aus dem Datenmaterial hervor, das der Süddeutschen Zeitung zugespielt wurde und das von hunderten Journalisten unter der Führung des International Consortium of Investigative Journalists weltweit durchforstet wurde.

Der Sommer 2008 war turbulent für Christian Hausmaninger. Im Bawag-Prozess vertrat er den Spekulanten Wolfgang Flöttl. Während das Verfahren sich in Wien dem Ende zuneigt, steht Christian Hausmaninger auch rund 7000 Kilometer weiter südwestlich vor einem großen Abschluss, auf den Bermudas. Hausmaninger hat auf den Inseln für Klienten mehrere Investmentfonds gegründet. Das ist nichts Ungewöhnliches. Fonds sind Vermögen mit Rechtspersönlichkeit. Natürlich gründet man diese an Orten, wo Steuern und Verwaltungsaufwand so gering wie möglich sind.

Einer dieser Fonds heißt Alpha Prime. Aufgesetzt wurde dieser Fonds von einer Gruppe Wiener Banker, darunter Ex-Börse-Chef Stefan Zapotocky. Vertrieben wird der Fonds hauptsächlich in Österreich. Und was damals nur Eingeweihte wissen: der Investmentfonds hat de facto nur eine einzige Funktion. Alpha Prime veranlagte das Fondsvermögen gar nicht selbst, sondern schaufelte das Geld der Anleger an einen New Yorker Finanz- und Börsenmakler namens Bernard L. Madoff weiter. Obwohl der Alpha Prime also ein reiner Zubringerfonds ist und keinerlei Investmententscheidungen trifft, werden hohe Management-Fees verrechnet.

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