Ohren auf Klassik für unterm Baum

Ein Oratorium zur Weihnacht, bei dem das Ohr lacht


Miriam Damev

Feuilleton, FALTER 51/17 vom 20.12.2017

Das Ensemble Resonanz ist eigentlich dafür bekannt, Raritäten Alter und Neuer Musik unters Volk zu bringen. Warum also ausgerechnet Bachs "Weihnachtsoratorium" (resonanzraum records)? So viel Mainstream passt doch gar nicht zur wilden Hamburger Combo. Eh nicht. Statt der üblichen Einspielung überrascht das Ensemble mit einer ganz persönlichen, urbanen Hausmusik-Version dieses weihnachtlichen Evergreens. Neben neun Streichern, einer Trompete und vier Sängern (die Choräle singen alle gemeinsam) sorgen E-Gitarre und Vintage-Keyboards für einen warmen, intimen, bisweilen herrlich groovig-swingenden Klang. Muss man lieben, auch wegen des hinreißenden Esels auf dem Cover.

Ganz klassisch, also mit Pauken und Trompeten, geht es in die nächste Runde. Wieder erklingt das "Weihnachtsoratorium" (Oehms), dieses Mal aber aus der Feder C.H. Grauns. Entdeckt wurde das Werk Ende der 1990er-Jahre. Nun haben die ausgezeichneten Arcis-Vocalisten mit dem virtuosen Barockensemble L'arpa festante dieses seltene Stück Musik eingespielt. Und das alleine ist schon ein Reinhören wert.

"Stille und Nacht" (Oehms) heißt das Debüt von Rafael Fingerlos. Der sympathische österreichische Bariton beglückt hier mit Interpretationen bekannter Lieder ebenso wie mit musikalisch-literarischen Raritäten. Krönender Abschluss ist das berückend vorgetragene "Stille Nacht" in der Originalfassung für zwei Männerstimmen und Gitarre.

Komplett ohne Karacho kommt auch "Christmas Piano Music" (Sony) von Peter Froundjian daher. Froundjian, selbst Spezialist für das Ausgefallene, hat die Archive und Bibliotheken nach weihnachtlicher Klaviermusik durchsucht. Fündig geworden ist er bei selten bis nie gehörten, dafür umso reizvolleren Stücken von Palmgren, Friedman, Tofft, Bax und anderen. Das ergibt ein sehr feines pianistisches Potpourri, auch über die Festtage hinaus.

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