Grammelknödel-Gelato

Ein Eissalon in Ober-St.-Veit. In dem gekocht wird, bis die Früchte kommen


FLORIAN HOLZER

09.01.2018

Foto: Heribert Corn

Vor sechs Jahren kochte Anton Rusnak, der davor Sous-Chef im Fabios war und auch schon im Palais Coburg gearbeitet hatte, in einem Lokal in der Operngasse, das im Wesentlichen aus einem großen BBQ-Ofen mit Format und Aussehen einer Lokomotive bestand.

Der Investor ließ ihn aber bald über die Klinge springen, weshalb Rusnak zuerst einmal für die kanadische Botschaft kochte, „aber da fehlte mir das Publikum“. Fortan beschäftigte sich Rusnak mit dem Publikumsmagneten Eis.

Und zwar so eingehend, dass er sich irgendwann gemeinsam mit seiner Frau Irina in einer Eis-Universität in Bologna wiederfand und vorigen Juli einen Eissalon im Ortskern von Ober-St.-Veit übernahm.

Und da machten sie dann also Eis, 18 verschiedene Sorten, mit ganz wenig oder gar keinem Zucker, „ich bin ein richtiger Eisverkäufer geworden“, sagt er. Aber irgendwann beim Milcheinkochen um sechs Uhr in der Früh dachte sich Anton Rusnak, dass Eis und Küche ja nicht unbedingt ein Widerspruch sein müssten.

Als der Stress mit den frisch angelieferten Früchten im Oktober ein bisschen nachließ, fing Rusnak wieder mit dem Kochen an. Im Eissalon, mit nur einem kleinen Menü.

Das sei am Anfang nicht so toll gelaufen, sagt er, Eissalon und gebratenes Fleisch, das gehe im Kopf der Leute nicht so leicht zusammen. Mittlerweile tut der Gast gut daran, einen der paar Eissalon-Tische zu reservieren. Ja, sogar in Ober-St.-Veit, einem der konservativsten Winkel der Stadt.

Da sitzt man also in einem Vorstadt-Eissalon, der aussieht wie ein Vorstadt-Eissalon, wird von einem eilfertigen Kellner umwuselt, wählt das Menü zwei- oder viergängig und bekommt als ersten Gang zum Beispiel eine selbstgemachte Sulz vom Kalbskopf mit sauer marinierten Pickles, Vogerlsalat und einem hellgrünen Schnittlaucheis, das zwar vielleicht um eine Spur zu süß, auf jeden Fall aber originell ist (€ 14,–).

Zur Topinambur-Cremesuppe gab’s kein Eis, dafür zwei kleine Schwarzbrottoasts mit Haselnuss-Tapenade (€ 6,–), und auch der gebratene Waller blieb eisfrei, was aber nicht störte, denn das knusprig gebratene Filet mit dem schneeweißen Fleisch (Rusnak bezieht den Fisch aus dem Gut Dornau), dem im Ofen geschmorten Paradeiserkraut, einem sauer marinierten Apferl und einem der besten Grammelknödel seit langem war auch so gut genug (€ 22,–).

Das Mohneis mit Powidl war fein (€ 5,–), wobei es sich da fast auszahlt, eine kleine Auswahl aus der Eisvitrine zu nehmen (drei Kugeln € 3,80), Mango ist gerade ganz schön super, Schokolade auch, und das leicht salzige Pistazieneis sowieso.

Wie lange er das Eissalon-Koch-Pop-up noch durchziehe, könne er nicht sagen, meint Rusnak, auf jeden Fall aber, bis die ersten Kräuter fürs Brennessel- und Löwenzahneis kommen. Also eh noch ein bisserl.

Resümee:

Ein guter Eis-Mann, der noch dazu sehr gut kochen kann. Und das erfreulicherweise so lange tut, wie ihm die Saison Zeit lässt.

Anton’s Tafel
13., Hietzinger Hauptstr. 174
Tel. 01/876 24 85
Do–Sa 18–22 Uhr
www.fb.com/antonstafel

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