Ohren auf Reeds from Amsterdam

Das Quartett ist nett - mit oder ohne Hackbrett

KLAUS NÜCHTERN
Feuilleton, FALTER 03/18 vom 17.01.2018

Der seit 1982 in Amsterdam lebende US-Musiker Michael Moore verfügt über den kultiviertesten Klarinetten-Sound des zeitgenössischen Jazz. Das belegen die Alben des grandiosen Bob-Dylan-Cover-Trios Jewels and Binoculars, aber auch die anderen Veröffentlichungen auf Moores eigenem Label Ramboy, wo zuletzt zwei Live-Mitschnitte erschienen sind. Der des Felix Quartet, wo er sich allerdings aufs Altsaxofon beschränkt und Langzeitkumpel Wolter Wierbos die Posaune bebläst, ist der expressivere: Es darf gejault und gebellt werden, und es ist erstaunlich, welchen Drive Schlagzeugsubtilist Michael Vatcher auf seinem reduzierten Drumkit entfaltet.

Das Fragile Quartet forciert - nomen est omen -die introvertierte und lyrische Seite Moores und weist Cool- Jazz-Klarinetten-Gott Jimmy Giuffre als entscheidende Inspiration aus. Alle Beteiligten lassen einander viel Raum, der junge Pianist Harmen Fraanje fügt sich als kontemplativer Dekonstruktivist ausgezeichnet ein, Vatcher beklöppelt anmutig sein Hackbrett, gibt sich aber fast schon übertrieben zurückhaltend.

Beim Wien-Auftritt des Quartetts wird man aufs Hackbrett verzichten müssen, denn für Vatcher springt dessen kongenialer, aber athletischer agierender Kollege Gerry Hemingway ein, in dessen Quintett Moore in den 1990er-Jahren Stammmitglied war -nachzuhören etwa auf dem nun wiederaufgelegten live im Bahnhof Wuppertal-Ottenbruch eingespielten Album "Demon Chaser" (Hat Hut), auf dem es schon einigermaßen frei zu-und überhaupt zur Sache geht. Ziemlich steil: die kammermusikalisch anhebende (Cello: Ernst Reijseger), shmoov groovende und zwischenzeitlich in Allotria ausartende Version von Dizzy Gillespies "A Night in Tunisia", das während Moores Alt-Solo für circa zwei Sekunden tatsächlich anklingt.

Fragile Quartet live: Porgy & Bess, 21.3.

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