BUNDESLÄNDER

Ein Wochenende im Zeichen des Jazz

Die Veranstaltungsreihe 3 Tage Jazz ist zum dritten Mal ein winterlicher Bote des Jazzfestivals Saalfelden

Maria Motter
Lexikon, FALTER 03/18 vom 17.01.2018

Dem Jazz wird gerne unterstellt, dass er sich erst einmal querstelle und es seinen Zuhörern nicht leichtmache. Als ob es einen Jazz gäbe. Zugang zur Vielfalt dieser Musiken bietet das Jazzfestival Saalfelden seit bald 40 Jahren; nun hat das renommierte Festival zum dritten Mal auch im Winter ein wunderbares Festivalpaket geschnürt, das Freitagabend ins Wochenende groovt.

Glaube ("Faith"), Liebe ("Love") und ein "Hallelujah" - angeeignet von Leonard Cohen -haben Adam Baldych und das Helge Lien Trio auf ihrem aktuellen Album "Brothers" drei Songs genannt. Die Stücke führen binnen kürzester Zeit zu einer Entspanntheit, als läge man nach zwei Stunden Yoga in der Rückenentspannungslage Shavasana auf dem Boden, und trotzdem haben sie einen Drive. Mal ausgelassen und schwungvoll, mal dezent, aber stets mit schönem Tempo sind der gebürtige Pole Baldych, der in New York lebt, und der norwegische Pianist und Komponist Helge Lien da unterwegs (Nexus, Fr, 19 Uhr).

Danach präsentiert das basslose Jazztrio Edi Nulz um 22 Uhr sein neues Album "El perro grande", das laut Angaben der Musiker mit Indie und Rock mehr als liebäugelt. Anderntags sind sie mit Adele Neuhauser unterwegs, die dem Publikum Douglas Adams' Texte von 1990 -"Die Letzten ihrer Art" - und damit vom Aussterben bedrohte Tierarten näherbringt. Die Cellistin Asja Valcic ist die einzige Frau im Line-up von "3 Tage Jazz", und das Dickbauer Collective ist eine der Formationen, in denen sie mitwirkt. Mit den Bandkollegen lässt sie zeitgenössische Musik und Folklore ineinanderfließen (Nexus, Sa, 20 Uhr).

Michel Portal hat im November seinen 82. Geburtstag gefeiert. "In den Algerienkrieg zog der Franzose einst mit Saxofon und Klarinette statt Gewehr und wurde dafür ausgelacht", heißt es in einem Porträt der Zeit. Der Musiker und Komponist hält auch heute noch an seiner Liebe zum Aufeinandertreffen mit anderen Jazzmusikern auf der Bühne fest. Samstagabend tut er sich mit dem Posaunisten Nils Wogram, Gyselinck sowie Bojan Z und Bruno Chevillion zusammen (Nexus, Sa, 22 Uhr).

Bereits ausverkauft sind die Konzerte am Sonntag. Sie finden im Bergbau-und Gotikmuseum statt, wo zu den regulären Öffnungszeiten auch die liebliche Skulptur der "Maria im Ährenkleid" zu bestaunen ist. Der Kontrabassist Georg Breinschmid gibt ein Solokonzert, Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann treten eingespielt gemeinsam auf, über die Jahre sind sie zu BartolomeyBittmann zusammengewachsen.

Saalfelden Leogang, Fr-So, jazzsaalfelden.com

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