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FLORIAN KLENK
Falter & Meinung, FALTER 03/18 vom 17.01.2018

Kennen Sie das Zebra? Das Zebra ist schwarz-weiß gestreift. So wie einst die Wände in unserem Stiegenhaus. Die weißen und schwarzen Streifen sind Teil eines Farbkonzepts der Architekten Eichinger oder Knechtl, erdacht in den 80er-Jahren, behütet von Armin Thurnher. Unsere Türen sind schweinchendickrosa, blunzenrot, stracheblau, krankenhausgrün, dottergelb. Die Wände ebenso. Und das Stiegenhaus ist schwarzweiß gestreift, wie ein Zebra.

Wenn man Zebra googelt, findet man auf Wikipedia ein Bild einer sogenannten Zebra-Kutsche von Lionel Walter Rothschild, er war einer der wenigen, die Zebras zähmen konnten. Das faszinierende Foto stammt aus dem vorigen Jahrhundert, vermutlich ist es noch älter. Zur Zeit, als es aufgenommen wurde, wurde gefühlt auch unser Stiegenhaus zuletzt ausgemalt. Und mein speckiges Büro. Um daran zu erinnern, schicke ich an unseren Geschäftsführer immer wieder das Zebra-Kutschen-Foto. Manchmal rufe ich ihn auch an und sage: "Zebra". Ich flehe dann darum, dass unser Stiegenhaus und mein Zimmer irgendwann einmal ausgemalt werden. Kurz vor Weihnachten war es dann so weit. "Lass dein Zimmer offen", sagte der Geschäftsführer. Ich ließ es offen, dann verabschiedete ich mich wochenlang nach Asien. Mir träumte, ich käme zurück und mein Büro wäre strahlend weiß. Mir träumte auch, das Zebra im Stiegenhaus glänzte in alter Frische. Es war nur ein Traum. Zuerst der Boden, sagte der Geschäftsführer und wippte auf den alten Brettern, die unter der Last seiner Autorität ächzten. Zuerst der Boden und dann das Zebra. Mögen andere Redaktionen mit Stahl und Glas bluffen. Wir investieren in Journalismus und nicht in Anstrich.

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