Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Wintersonne der Welt der Woche


Stefanie Panzenböck

Feuilleton, FALTER 07/18 vom 14.02.2018

Nicht nur Wolfgang Ambros wusste um die Besonderheit der Wintersonne und verglich ihr wunderbares Licht mit einer angebeteten Frau. Die Sehnsucht nach dieser wohltuenden Wärme ist auch ohne Amourösitäten, gerade in diesen trüb-grauen Zeiten, eine tägliche Begleiterin.

Nun freut man sich über jeglichen Sonnenstrahl, der sich durch die Wolkendecke kämpft, reckt ihm den Kopf entgegen, auf dass seine Kraft so lange andauere, bis sich die Wärme im ganzen Gesicht verteilt habe.

Oder man packt seine Sachen und fährt übers Wochenende in den nahen Süden, wo selbst dann die Sonne scheint, wenn im Wetterbericht Regenschauer angekündigt sind. In Triest zum Beispiel.

Früher der größte Hafen des Habsburgerreichs, glänzt die Stadt an der Adria auch heute noch mit Prachtbauten aus dem 19. Jahrhundert. Die mächtigsten unter ihnen begrenzen die Piazza dell'Unità d'Italia, wie der ausladende Platz seit 1955 heißt. In einem der Palazzi, der Casa Stratti, befindet sich seit 1839 das Café der Spiegel, Caffè degli Specchi, vor dem auch im Winter zahlreiche Tische im Freien stehen. Nahezu jeder Platz ist einer unter der Sonne, am Morgen oder am Nachmittag. Man wickle sich in eine der bereitgelegten Decken, bestelle einen starken Kaffee oder zu späterer Stunde einen prickelnden Prosecco (das Original stammt aus der Gegend). Dabei genieße man die köstlichen Häppchen, die in Triest zum Heiß-oder Kaltgetränk serviert werden.

Frische Meeresluft strömt herbei, das endlose Wasser glitzert im Augenwinkel, ein leichter Wind weht. Auf der Piazza haben sich Kinder mit ihren Eltern versammelt, um Fasching zu feiern. Sie ziehen Luftschlangen hinter sich her und streuen Konfetti. Und die Sonne scheint. Und scheint.

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