„Zwei Juden badeten einst im Fluß. Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir’s hoffen“

In einem Liederbuch der Burschenschaft Bruna Sudetia stehen antisemitische Lieder. Auch diesmal ist der Vorsitzende ein FPÖ-Funktionär


NINA HORACZEK

POLITIK, FALTER 08/18 vom 20.02.2018

Scan: FALTER

So steht der Liedtext auf Seite 114 im Liederbuch der Burschenschaft Bruna Sudetia: „Zwei Juden badeten einst im Fluß, weil jeder Mensch einmal baden muß. Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir’s hoffen.“ Oder auch: „Zwei Juden saßen auf einer Bank, der eine roch und der andere stank“ sowie „Zwei Juden schwammen einst im Nil, den einen fraß ein Krokodil, den anderen hat es nur angeglotzt, da hätt’ es den ersten fast ausgekotzt“.

Die Bruna Sudetia, 1871 gegründet und mit Sitz in der Wiener Josefstadt, ist eine der ältesten deutschnationalen Studentenverbindungen in Österreich. Auch sie hat jenes antisemitische Lied in ihrem Repertoire, das kürzlich für Schlagzeilen und Rücktritte sorgte. Auf Seite 29, unter „Inoffizielle Lieder“, findet sich das Lied mit der Strophe: „Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die sieb‘te Million“, eine Aufforderung, die Gaskammern der Nazis wieder zu öffnen, in denen sechs Millionen Juden im Holocaust ermordet wurden.

Die Bruna Sudetia verfügt über beste Kontakte bis hinauf an die Spitze der Freiheitlichen Partei. Vorsitzender dieser Burschenschaft ist seit vielen Jahren Herwig Götschober. Er ist seit 2010 freiheitlicher Bezirksrat in Wien-Leopoldstadt und in den freiheitlichen Wahlkämpfen äußerst aktiv.

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